Igel im Herbst

29.09.2019
Igel
Igel

Der Igel,

ein stachliger Überlebenskünstler

 

Jetzt im Herbst sind wieder viele Igel in unseren Gärten, Parks und Wäldern unterwegs. Da zwischen August und September sogar noch Igelkinder geboren werden, trifft man im Moment immer wieder auch auf kleine Tiere. Die Igel sind zwar nachtaktiv, aber bis die Temperaturen dauerhaft auf unter 5 Grad fallen, sieht man sie auch tagsüber nach Nahrung suchen. Das ist ein völlig normales Verhalten und der Igel ist auch nicht krank. Da er sich aber bei Gefahr einrollt und bewegungslos liegen bleibt, meinen viele er bräuchte Hilfe. Aber das ist falsch verstandene Fürsorge. Es schadet den Tieren mehr, als das es nützt, denn man reißt den Igel aus seinem vertrauten Revier, in dem er sich auskennt und auch schon angefangen hat sich ein Winterquartier einzurichten. Der Igel ist ein Wildtier und die Überwinterung in einem kleinen Käfig im Haus bedeutet für ihn enormen Stress. Deshalb sollte es die absolute Ausnahme bleiben und es ist auch in Deutschland laut Gesetzt generell verboten, Igel aus der Natur zu entnehmen. Außer er braucht wirklich Hilfe.

 

Wann braucht der Igel unsere Hilfe?

1. Der Igel ist verletzt.

2. Der Igel ist womöglich tagelang ohne Futter und Wasser in Lichtschächten, Kellereingängen oder ähnlichem gefangen gewesen.

3. Der Igel ist krank. (Dies erkennt man meistens daran, dass sie apathisch sind und sich bei Berührung eben nicht mehr einrollen. Auch sind sie häufig mager, was man an Einbuchtungen an Hals und Schulter erkennen kann. Die Augen sind nicht rund und klar, sondern schlitzförmig und eingefallen.)

4. Die Jungtiere wiegen Anfang November deutlich weniger als 400-500g.

Ist der Igel also wirklich in Not, sollte man ihn zu einem Tierarzt bringen. Die allermeisten Tierärzte behandeln

Wildtiere kostenlos. Helfen können wir dem Igel aber viel mehr, indem wir seinen Lebensraum schützen und erhalten. Im eigenen Garten kann man z.B. Laub, Zweige und Reisig in einer Ecke oder unter Sträuchern liegen lassen. Damit baut sich der Igel dann sein Winterquartier und dort findet er auch Insekten und Würmer, um sich den Winterspeck anzufressen.

Natürlich kann man ihm auch Futter hinstellen. Dies sollte aber spätestens eingestellt werden, wenn die Temperaturen dauerhaft unter 0 Grad fallen oder es anfängt zu schneien. Der Nahrungsmangel ist für den Igel ein wichtiges Signal, um rechtzeitig in den Winterschlaf zu gehen. Füttert man weiter hält man den Igel nur künstlich wach und er würde den Winter wahrscheinlich nicht überleben.

 

Fazit: nicht jeder Igel braucht unsere Hilfe, er ist ein Wildtier und bestens an seinen Lebensraum angepasst. Durch den Klimawandel und die somit viel zu warmen Winter geht der Igel auch immer später in seinen Winterschaf. Bitte also erst ganz genau hinschauen und beobachten, ob das Tier wirklich in Not ist oder einfach nur auf Futtersuche durch den Garten streift. Im Zweifelsfalle geben Tierärzte, Tierheime oder Igelstationen gerne Auskunft. Weitere Informationen finden Sie hier wertvolle Tipps

Noch ein wichtiger Hinweis: im Tierheim Lette dürfen keine Wildtiere aufgenommen werden. Wildtiere könnten Parasiten und Krankheiten auf die im Tierheim untergebrachten Tiere übertragen. Die Igelauffangstation wird ehrenamtlich betrieben und hat nur begrenzt Platz für die Igel. Deshalb sollten bitte nur wirkliche Notfälle abgegeben werden, denn ansonsten sind die wenigen Gehege am Ende des Jahres voll mit Igeln, die eigentlich den Winter in Freiheit verbringen könnten, wenn man sie nur in ihrem eigenen Revier belassen hätte.